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Club-Nachrichten

Neues Mitglied: Herr Dirk Deumeland, FAIRNET GmbH

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. freut sich über die Aufnahme von Herrn Dirk Deumeland, Prokurist der FAIRNET GmbH, als persönliches Mitglied.

Die Leipziger Volkszeitung zum Vortrag von Frau Dr. Leibinger-Kammüller im WCL

 

Lesen Sie hier den Artikel der Leipziger Volkszeitung von Sonnabend/Sonntag, 10./11. Juni 2017

Frau Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung TRUMPF GmbH&Co. KG (18.05.2017): Was die Wirtschaft im Wahljahr von der Politik erwartet

Frau Leibinger-Kammüller steht mit der zu TRUMPF gehörenden TRUMPF Sachsen GmbH GmbH in Neukirch formal auch in Sachsen einem modernen Unternehmen mit einem Rekordumsatz in Höhe von 124 Millionen Euro vor. Sie sprach sich für die „unternehmerische Flexibilität“ angesichts der immensen Herausforderungen durch die volatile Weltkonjunktur und die digitale Transformation aus.

 

Erschwerend kämen die Regelungen der großen Koalition, wie Vorgaben zur Frauenquote, das Zeitarbeitsgesetz, das Mutterschutzgesetz, die Anti-Stress-Verordnung und die angekündigte Rentenstabilität hinzu. Die arbeits- und sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Monate setzten den Unternehmen eher zu, als dass sie die freie Selbstentfaltung fördern würden.

 

Ein weiteres Thema belastet laut Frau Dr. Leibinger-Kammüller die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft: die Energiepolitik. Die Ausgabenseite hat sich durch das Erneuerbare Energien Gesetz von Jahr zu Jahr im zweistelligen Prozentbereich erhöht. Rund 24 Milliarden Euro werden deutschen Stromverbrauchern abverlangt, um die Mehrkosten der Stromerzeugung zu decken. Der EEG-Umlage von knapp 7 Cent pro Kilowattstunde steht mittlerweile ein Börsenpreis von deutlich unter 4 Cent gegenüber.

 

Frau Leibinger-Kammüller vermisst im Allgemeinen zunehmend das gesellschaftliche Bewusstsein und den Diskurs auf allen Ebenen darüber, dass Unternehmen Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, das Gemeinwesen stärken und somit ein Stabilitätsanker der Gesellschaft sind. Gerade in Deutschland mit seinen vielen Tausenden kleinen und mittelständischen Unternehmen, die den Anforderungen der Märkte mit den Ansprüchen einer sich verändernden Gesellschaft wie der Elternzeit, den Bildungsangeboten, dem agilen und mobilen Arbeiten in Einklang bringen müssten, sei das inzwischen eine wahre Herausforderung.

 

Neue Mitglieder

Wir freuen uns außerordentlich Frau Dr. Afra Waterkamp, Präsidentin des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt und Herrn Dr. Matthias Franz, Prokurist der COMPARX AG, als neue persönliche Mitglieder im Wirtschafts-Club Leipzig e. V. begrüßen zu dürfen!

Herr Jan-Hendrik Goldbeck spricht über das Unternehmen Goldbeck - "Vom Schlosserbetrieb zum größten deutschen Bauunternehmen"

Das Ziel des von Herrn Ortwin Goldbeck 1969 gegründeten Unternehmens war die Industrialisierung des Bauens mit Planung und Fertigung im eigenen Haus. 1990 wurde ein Umsatz von DM 100 Mio. erreicht. 2016 steigerte sich der Umsatz auf € 2,4 Mrd. Im Fokus der Bemühungen standen in der Vergangenheit Produktions- und Montageinnovationen und heute zusätzlich die Serienfertigung individualisierter Teile.

Herr Jan-Hendrik Goldbeck unterstrich in seinem Vortrag, dass die Zukunft dem Building Information Modeling (BIM) gehört. Nur mit Hilfe von BIM lassen sich die wachsende Komplexität am Bau und die immer neuen Forderungen der Politik an die Bauwirtschaft beherrschen. BIM umfasst neben der Bau-, Kosten- und Zeitplanung zusätzlich Bewirtschaftungsparameter und Bauteilintelligenz.

In der Zukunft wird 3D Laserscannung zur Raumerkennung mit der virtuellen Welt verschmelzen. Durch die Augmented Reality werden Kunden das Gebäude noch vor Vertragsunterzeichnung begehen und Bemusterungsvarianten erleben können.

In einem Exkurs ging Herr Goldbeck darauf ein, weshalb eine Vielzahl deutscher Bauunternehmen seit 1990 aus dem Markt ausgeschieden sind bzw. inzwischen ausländischen Müttern gehören und Goldbeck zum größten deutschen Bauunternehmen avancieren konnte.

 

Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank über die Konjunkturaussichten der EU und die Entwicklung des Euros

In seinem Vortrag stellte Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zunächst fest, dass der Wohlstand in Europa seit Einführung des Euros im Jahr 2002 gestiegen ist, China die USA als Marktmacht Nummer eins überholt hat, wir erst im Jahr 2017 das Bruttoinlandsprodukt von 2007 überschreiten werden und es für alle Banken eine Zeitrechnung vor und nach der Finanzkrise von 2007 gibt.

Mit der expansiven, ultralockern Geldpolitik der EZB der vergangenen Jahre (aktuell 80 Milliarden pro Monat) soll das Ziel der Preisstabilität (2% Inflation) erreicht und eine Deflation vermieden werden. Die Erreichung des Ziels ist in Sicht. Die zinspolitische Bremse kann gelockert werden.

Herr Dr. Beermann bemerkte weiterhin, dass eine zentrale (Brüssel) oder dezentrale (jeder Staat für sich) Haftung für eine finanzielle Schieflage eines Staates möglich ist. Nur dann ist die Insolvenz eines Mitgliedsstaates möglich. Die Staatsschulden-Krise hat gezeigt, dass die Regeln des Maastrichter Vertrages nicht immer greifen.

Auf die Frage aus dem Auditorium, ob Schuldenabbau oder Infrastrukturaufbau der richtige Weg sei, sprach sich Herr Dr. Beermann dafür aus, dass die Länder die Niedrigzinsphase nutzen sollten, um die Schulden abzubauen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Neues Mitglied: Herr Markus Radmacher für die KIROW ARDELT GmbH

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. freut sich sehr die Firma KIROW ARDELT GmbH, vertreten durch Herrn Markus Radmacher, im Rahmen einer Firmenmitgliedschaft willkommen heißen zu dürfen!

Dr. Michael C. Frege über "Krise und Sanierung - Erfahrungsbericht eines Insolvenzverwalters"

Herr Frege, geboren in Düsseldorf und wohnhaft in Leipzig von 1990 bis 2010, berichtete in seinem Vortrag vor Mitgliedern und Gästen des WCL über Insolvenzen im Allgemeinen und eine internationale Insolvenz im Speziellen.

Eine Herausforderung des Insolvenzverwalters war es beispielsweise, ein Vermögen weltweit aufzuspüren, ein komplettes Team (bis zu 200 Experten) aufgrund der zusammengebrochenen Strukturen zu installieren, sich gegen Bezahlung Datenzugang zu schaffen und diese Daten auszuwerten.

Weltweit wurden 200 Insolvenzen in 80 verschiedenen Rechtssystemen eröffnet. In Deutschland wurde eine Insolvenzmasse von über 16 Mrd. EUR sichergestellt. Die Gläubiger erhielten eine Quote von 100 % ihrer Forderungen ausgezahlt. Dies ist im Vergleich zur internationalen Quote (ca. 30 % bis 50 % im Durchschnitt) ein herausgehobener Erfolg.

Solche Großverfahren werden häufig von gezielten Fehlnachrichten, dem Hacken von Computern, dem Installieren von Wanzen und sonstigen kriminellen Handlungen begleitet.

 

 

Professor Dr. Helge Löbler: „Die Lebenswelt muss zur zentralen Instanz der Lehre werden"

Der äußerst lebhafte Beitrag von Prof. Löbler stellte zunächst die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger in den Mittelpunkt. Nicht immer wird die gesendete Botschaft vom Empfänger so aufgenommen und verarbeitet, wie vom Sender der Botschaft erhofft. So sind Störquellen während der Übermittlung der Botschaft, aber auch die Qualität des Senders/Empfängers (Student/Professor, Laiengruppe/Expertenkommission) von Bedeutung.

Selbst wenn es gelänge alle Stoffinhalte an den Universitäten erfolgreich zu über- bzw. zu vermitteln, kann ein Absolvent vielleicht über alles reden, aber nicht alles können. Dies ist bekanntermaßen die Kritik der einstellenden Unternehmen.

Herr Löbler führte aus, das Lernen das gekonnte Zusammenspiel von Wort und Praxis ist. Ein Musikstudent – mag er noch so hervorragend sein – wird nicht ohne Übung ordentlich spielen können. Das gilt im übertragenen Sinne für alle Fachbereiche. Mit anderen Worten: Das Können wird an den Hochschulen auf intellektueller Ebene gelehrt, nicht aber die Umsetzung. Daraus leitet Herr Löbler seine Forderung ab: Die Lebenswelt muss zur zentralen Instanz der Lehre werden.

Oder frei nach Johann W. v.Goethe : „Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter Genies“.

 

Professor Dr. Michael Heise zu wirtschaflichen Aussichten und politischen Entwicklungen der EU aus globaler Sicht

Die Allianz SE ist weit mehr als nur Versicherer. In seinem Vortrag vom 03.11.2016 stellt Herr Prof. Heise die eher unbekannten Geschäftsfelder der Allianz, sowie deren Geschäftsumfeld samt Konkurrenten – kurz vor. Als weltumspannend agierendes Unternehmen beobachtet die Allianz die wirtschaftlichen Aussichten und politischen Entwicklungen in der EU aus globaler Sicht.

Die Emerging Markets seien wieder im Trend positiv, und der Euro-Raum ohne konjunkturellen Bruch durch den BREXIT Entscheid gekommen. In Deutschland sieht er 2% Wachstum voraus, das aber hauptsächlich durch Konsum, welcher durch die Ausgaben des Staates - speziell der Sozialsysteme, gespeist wird. Private und institutionelle Investoren müssten noch nachziehen. Insgesamt ist Professor Heise zuversichtlich, da Indikatoren wie der Arbeitsmarkt, Struktur Reformen in den EU Staaten, und auch die Zinsen im Euro-Raum dazu Anlass bieten würden. Die Geldpolitik sei überlagert von den Ölpreisen. Sollte sich der Ölpreis „normalisieren“ würde es auch das Zinsniveau tun.

Zum Sonderthema BREXIT hat zeigt Herr Heise auf, welche Schwierigkeiten auf Regierung und Verwaltung von England / UK zukommen - unzählige Verträge, die bisher von der EU im Namen von UK ausgehandelt wurden, müssen nun bilateral mit immensem Aufwand neu verhandelt werden. Die Möglichkeit, dass die britische Seite allein ein besseres Verhandlungsergebnis mit den Partnern erzielen wird als im Verbund mit der EU, zweifelt er an.

Dies würde dazu führen, dass die britische Erfahrung mit dem Exit keine positive sein wird, und daher mittel- bis langfristig nicht zur Nachahmung animieren. Die Lehre, die aus dem BREXIT gezogen werden könne sei, dass nicht auf Biegen und Brechen die EU-Erweiterung geschehen kann. Genauso müssten die EU Länder aufhören, die EU für nationale Fehler zum Sündenbock zu machen. Die EU müsse daran arbeiten, das Wohlstandsversprechen bei den Bürgern einzulösen. Dazu gehöre auch, das Subsidiaritätsprinzip zu stärken, und sich seitens der EU auf das Wesentliche zu beschränken. Dies sei in einer EU der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Ebenen der Integration möglich.