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Club-Nachrichten

Felix Hufeld über "Chancen und Herausforderungen der Finanzaufsicht"

Herr Hufeld führte in seinem gut besuchten Vortrag am 19.10.2017 aus, dass die bald 2.800 Mitarbeiter starke Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Kreditinstitute, Finanz- und Zahlungsdienstleister, Versicherer, Pensionsfonds, Kapitalverwaltungsgesellschaften und den Wertpapierhandel in Deutschland beaufsichtige. Neben der solvenzbasierten Aufsicht, die sich vor allem auf quantitative Vorgaben stützt, betreibe die BaFin auch Verhaltensaufsicht. In der Verhaltensaufsicht gehe es unter anderem darum, Standards durchzusetzen, die das Vertrauen der institutionellen und privaten Anleger in die Finanzmärkte wahrten. Dazu bekämpfe die Aufsicht beispielsweise Insidergeschäfte und Marktmanipulation.

Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz habe der Gesetzgeber 2015 den kollektiven Verbraucherschutz als zusätzliches Aufsichtsziel für alle Geschäftsbereiche der BaFin gesetzlich verankert. Herr Hufeld erläuterte außerdem, wie sich BaFin und Bundesbank in Deutschland die Bankenaufsicht teilten, wobei die hoheitlichen Aufsichtsbefugnisse bei der BaFin lägen. Er wies auf die Vorteile hin, die eine Integrierte Behörde, welche die Aufsicht über verschiedene Branchen in sich vereint, biete. So helfe der sektorübergreifende Blick etwa, Dinge aus verschiedenen Richtungen zu betrachten, beispielsweise die Folgen der Niedrigzinspolitik oder die zahlreichen aufsichtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Brexit.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrages war das zum 1. Januar 2011 an den Start gegangene Europäische Finanzaufsichtssystem, das dazu geführt habe, die bislang im Wesentlichen national ausgeübten Aufsichtstätigkeiten in einen stärkeren europäischen Kontext zu stellen. Eine echte Neuerung sei die Scharfschaltung des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) unter Leitung der Europäischen Zentralbank (EZB) im November 2014 gewesen. Erstmals sei hartes aufsichtliches Verwaltungshandeln europäisiert worden. Der SSM beaufsichtige seither die rund 130 bedeutendsten Institute oder Institutsgruppen (Significant Institutions – SIs) aus den 19 Staaten des Euroraums – darunter rund 20 deutsche – unmittelbar. Dies geschehe in gemeinsamen Aufsichtsteams, in denen BaFin-Beschäftigte mit Aufsehern aus dem gesamten Euroraum zusammenarbeiteten.

Zuletzt ging Herr Hufeld auf die neuen Risiken durch Cyberangriffe ein. Interne und externe Attacken, die nicht nur Unternehmen gelten, würden ganze Branchen und die Finanzmärkte insgesamt gefährden. Die BaFin habe darauf unter anderem mit konkreten Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) reagiert, die in einem eigenen Rundschreiben veröffentlicht wurden. Die BAIT sollten vor allem das Bewusstsein für IT-Risiken in den Instituten erhöhen – auch im Verhältnis zu den IT-Auslagerungsunternehmen. In absehbarer Zeit werde es auch für die Versicherungsaufsicht ein vergleichbares Rundschreiben „Versicherungsrechtliche Anforderungen an die IT“ (VAIT) geben. Außerdem hob Hufeld die gute Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hervor.

Industrieclub Thüringen e.V. - Neuer Partnerclub

Wir freuen uns den Industrieclub Thüringen e.V. mit Sitz in Weimar nun zu unseren Partnerclubs zählen zu dürfen.

Neues Mitglied: Herr Stefan Leermann

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. begrüßt Herrn Stefan Leermann, Geschäftsführer der S-Beteiligungen,  als persönliches Mitglied in seinen Reihen.

Herr Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender der European Energy Exchange AG: Auf dem Weg von der Leipziger Strombörse zur globalen Commodity-Börse

Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender der European Energy Exchange AG (EEX), stellte in seinem Vortrag am 10. August 2017 die Entwicklung und die Zukunftsperspektiven der EEX vor. Die EEX ist die führende Energiebörse in Europa.

Das Unternehmen mit Sitz in Leipzig entstand im Jahr 2002 durch die Fusion der deutschen Strombörsen Frankfurt und Leipzig. Seitdem hat sie sich von einer lokalen Strombörse hin zu einem führenden Energiehandelsplatz in Europa entwickelt. An der EEX werden Kontrakte auf Strom, Kohle und Emissionsberechtigungen sowie Fracht- und Agrarprodukte zum Handel angeboten. Die EEX ist Teil einer Unternehmensgruppe, der EEX-Gruppe, die internationale Partnerschaften eingeht und den Energiehandel maßgeblich prägt.

Als Börsenplattform verbindet die EEX-Gruppe mehr 500 Handelsteilnehmer weltweit. Sie stellt nicht nur die Plattform für den anonymen und gleichberechtigten Handel zur Verfügung, sondern garantiert über ihr angeschlossenes Clearinghaus, die ECC, das Clearing und die Abwicklung aller Handelsgeschäfte. Zur „physischen“ Erfüllung von Handelsgeschäften arbeitet die ECC mit einer Vielzahl von Übertragungsnetzbetreibern zusammen, so dass sichergestellt ist, dass die angeforderte Menge Strom „fließt“ bzw. Erdgas „eingespeist“ wird.

Mit 16 Standorten weltweit und durch ihre Präsenz in Singapur und seit diesem Jahr in den Vereinigten Staaten ist die EEX nunmehr in drei Zeitzonen präsent. Auch das Produktportfolio der Börse hat sich kontinuierlich erweitert. Neben Strom, Erdgas und Kohle können an den Marktplätzen der EEX-Gruppe auch Emissionsberechtigungen, Herkunftsnachweise und Agrarprodukte gehandelt werden sowie auch global gehandelte Commodities wie Fracht- und Metallkontrakte. Die langfristige Strategie der EEX, so Reitz im Gespräch, ist es sich im Wettbewerb als global agierende Plattform für Commodity-Produkte zu etablieren.

Neues Mitglied: Herr Dirk Deumeland, FAIRNET GmbH

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. freut sich über die Aufnahme von Herrn Dirk Deumeland, Prokurist der FAIRNET GmbH, als persönliches Mitglied.

Die Leipziger Volkszeitung zum Vortrag von Frau Dr. Leibinger-Kammüller im WCL

 

Lesen Sie hier den Artikel der Leipziger Volkszeitung von Sonnabend/Sonntag, 10./11. Juni 2017

Frau Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung TRUMPF GmbH&Co. KG (18.05.2017): Was die Wirtschaft im Wahljahr von der Politik erwartet

Frau Leibinger-Kammüller steht mit der zu TRUMPF gehörenden TRUMPF Sachsen GmbH GmbH in Neukirch formal auch in Sachsen einem modernen Unternehmen mit einem Rekordumsatz in Höhe von 124 Millionen Euro vor. Sie sprach sich für die „unternehmerische Flexibilität“ angesichts der immensen Herausforderungen durch die volatile Weltkonjunktur und die digitale Transformation aus.

 

Erschwerend kämen die Regelungen der großen Koalition, wie Vorgaben zur Frauenquote, das Zeitarbeitsgesetz, das Mutterschutzgesetz, die Anti-Stress-Verordnung und die angekündigte Rentenstabilität hinzu. Die arbeits- und sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Monate setzten den Unternehmen eher zu, als dass sie die freie Selbstentfaltung fördern würden.

 

Ein weiteres Thema belastet laut Frau Dr. Leibinger-Kammüller die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft: die Energiepolitik. Die Ausgabenseite hat sich durch das Erneuerbare Energien Gesetz von Jahr zu Jahr im zweistelligen Prozentbereich erhöht. Rund 24 Milliarden Euro werden deutschen Stromverbrauchern abverlangt, um die Mehrkosten der Stromerzeugung zu decken. Der EEG-Umlage von knapp 7 Cent pro Kilowattstunde steht mittlerweile ein Börsenpreis von deutlich unter 4 Cent gegenüber.

 

Frau Leibinger-Kammüller vermisst im Allgemeinen zunehmend das gesellschaftliche Bewusstsein und den Diskurs auf allen Ebenen darüber, dass Unternehmen Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, das Gemeinwesen stärken und somit ein Stabilitätsanker der Gesellschaft sind. Gerade in Deutschland mit seinen vielen Tausenden kleinen und mittelständischen Unternehmen, die den Anforderungen der Märkte mit den Ansprüchen einer sich verändernden Gesellschaft wie der Elternzeit, den Bildungsangeboten, dem agilen und mobilen Arbeiten in Einklang bringen müssten, sei das inzwischen eine wahre Herausforderung.

 

Neue Mitglieder

Wir freuen uns außerordentlich Frau Dr. Afra Waterkamp, Präsidentin des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt und Herrn Dr. Matthias Franz, Prokurist der COMPARX AG, als neue persönliche Mitglieder im Wirtschafts-Club Leipzig e. V. begrüßen zu dürfen!

Herr Jan-Hendrik Goldbeck spricht über das Unternehmen Goldbeck - "Vom Schlosserbetrieb zum größten deutschen Bauunternehmen"

Das Ziel des von Herrn Ortwin Goldbeck 1969 gegründeten Unternehmens war die Industrialisierung des Bauens mit Planung und Fertigung im eigenen Haus. 1990 wurde ein Umsatz von DM 100 Mio. erreicht. 2016 steigerte sich der Umsatz auf € 2,4 Mrd. Im Fokus der Bemühungen standen in der Vergangenheit Produktions- und Montageinnovationen und heute zusätzlich die Serienfertigung individualisierter Teile.

Herr Jan-Hendrik Goldbeck unterstrich in seinem Vortrag, dass die Zukunft dem Building Information Modeling (BIM) gehört. Nur mit Hilfe von BIM lassen sich die wachsende Komplexität am Bau und die immer neuen Forderungen der Politik an die Bauwirtschaft beherrschen. BIM umfasst neben der Bau-, Kosten- und Zeitplanung zusätzlich Bewirtschaftungsparameter und Bauteilintelligenz.

In der Zukunft wird 3D Laserscannung zur Raumerkennung mit der virtuellen Welt verschmelzen. Durch die Augmented Reality werden Kunden das Gebäude noch vor Vertragsunterzeichnung begehen und Bemusterungsvarianten erleben können.

In einem Exkurs ging Herr Goldbeck darauf ein, weshalb eine Vielzahl deutscher Bauunternehmen seit 1990 aus dem Markt ausgeschieden sind bzw. inzwischen ausländischen Müttern gehören und Goldbeck zum größten deutschen Bauunternehmen avancieren konnte.

 

Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank über die Konjunkturaussichten der EU und die Entwicklung des Euros

In seinem Vortrag stellte Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zunächst fest, dass der Wohlstand in Europa seit Einführung des Euros im Jahr 2002 gestiegen ist, China die USA als Marktmacht Nummer eins überholt hat, wir erst im Jahr 2017 das Bruttoinlandsprodukt von 2007 überschreiten werden und es für alle Banken eine Zeitrechnung vor und nach der Finanzkrise von 2007 gibt.

Mit der expansiven, ultralockern Geldpolitik der EZB der vergangenen Jahre (aktuell 80 Milliarden pro Monat) soll das Ziel der Preisstabilität (2% Inflation) erreicht und eine Deflation vermieden werden. Die Erreichung des Ziels ist in Sicht. Die zinspolitische Bremse kann gelockert werden.

Herr Dr. Beermann bemerkte weiterhin, dass eine zentrale (Brüssel) oder dezentrale (jeder Staat für sich) Haftung für eine finanzielle Schieflage eines Staates möglich ist. Nur dann ist die Insolvenz eines Mitgliedsstaates möglich. Die Staatsschulden-Krise hat gezeigt, dass die Regeln des Maastrichter Vertrages nicht immer greifen.

Auf die Frage aus dem Auditorium, ob Schuldenabbau oder Infrastrukturaufbau der richtige Weg sei, sprach sich Herr Dr. Beermann dafür aus, dass die Länder die Niedrigzinsphase nutzen sollten, um die Schulden abzubauen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.