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Club-Nachrichten

Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank über die Konjunkturaussichten der EU und die Entwicklung des Euros

In seinem Vortrag stellte Herr Dr. Johannes Beermann, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zunächst fest, dass der Wohlstand in Europa seit Einführung des Euros im Jahr 2002 gestiegen ist, China die USA als Marktmacht Nummer eins überholt hat, wir erst im Jahr 2017 das Bruttoinlandsprodukt von 2007 überschreiten werden und es für alle Banken eine Zeitrechnung vor und nach der Finanzkrise von 2007 gibt.

Mit der expansiven, ultralockern Geldpolitik der EZB der vergangenen Jahre (aktuell 80 Milliarden pro Monat) soll das Ziel der Preisstabilität (2% Inflation) erreicht und eine Deflation vermieden werden. Die Erreichung des Ziels ist in Sicht. Die zinspolitische Bremse kann gelockert werden.

Herr Dr. Beermann bemerkte weiterhin, dass eine zentrale (Brüssel) oder dezentrale (jeder Staat für sich) Haftung für eine finanzielle Schieflage eines Staates möglich ist. Nur dann ist die Insolvenz eines Mitgliedsstaates möglich. Die Staatsschulden-Krise hat gezeigt, dass die Regeln des Maastrichter Vertrages nicht immer greifen.

Auf die Frage aus dem Auditorium, ob Schuldenabbau oder Infrastrukturaufbau der richtige Weg sei, sprach sich Herr Dr. Beermann dafür aus, dass die Länder die Niedrigzinsphase nutzen sollten, um die Schulden abzubauen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Neues Mitglied: Herr Markus Radmacher für die KIROW ARDELT GmbH

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. freut sich sehr die Firma KIROW ARDELT GmbH, vertreten durch Herrn Markus Radmacher, im Rahmen einer Firmenmitgliedschaft willkommen heißen zu dürfen!

Dr. Michael C. Frege über "Krise und Sanierung - Erfahrungsbericht eines Insolvenzverwalters"

Herr Frege, geboren in Düsseldorf und wohnhaft in Leipzig von 1990 bis 2010, berichtete in seinem Vortrag vor Mitgliedern und Gästen des WCL über Insolvenzen im Allgemeinen und eine internationale Insolvenz im Speziellen.

Eine Herausforderung des Insolvenzverwalters war es beispielsweise, ein Vermögen weltweit aufzuspüren, ein komplettes Team (bis zu 200 Experten) aufgrund der zusammengebrochenen Strukturen zu installieren, sich gegen Bezahlung Datenzugang zu schaffen und diese Daten auszuwerten.

Weltweit wurden 200 Insolvenzen in 80 verschiedenen Rechtssystemen eröffnet. In Deutschland wurde eine Insolvenzmasse von über 16 Mrd. EUR sichergestellt. Die Gläubiger erhielten eine Quote von 100 % ihrer Forderungen ausgezahlt. Dies ist im Vergleich zur internationalen Quote (ca. 30 % bis 50 % im Durchschnitt) ein herausgehobener Erfolg.

Solche Großverfahren werden häufig von gezielten Fehlnachrichten, dem Hacken von Computern, dem Installieren von Wanzen und sonstigen kriminellen Handlungen begleitet.

 

 

Professor Dr. Helge Löbler: „Die Lebenswelt muss zur zentralen Instanz der Lehre werden"

Der äußerst lebhafte Beitrag von Prof. Löbler stellte zunächst die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger in den Mittelpunkt. Nicht immer wird die gesendete Botschaft vom Empfänger so aufgenommen und verarbeitet, wie vom Sender der Botschaft erhofft. So sind Störquellen während der Übermittlung der Botschaft, aber auch die Qualität des Senders/Empfängers (Student/Professor, Laiengruppe/Expertenkommission) von Bedeutung.

Selbst wenn es gelänge alle Stoffinhalte an den Universitäten erfolgreich zu über- bzw. zu vermitteln, kann ein Absolvent vielleicht über alles reden, aber nicht alles können. Dies ist bekanntermaßen die Kritik der einstellenden Unternehmen.

Herr Löbler führte aus, das Lernen das gekonnte Zusammenspiel von Wort und Praxis ist. Ein Musikstudent – mag er noch so hervorragend sein – wird nicht ohne Übung ordentlich spielen können. Das gilt im übertragenen Sinne für alle Fachbereiche. Mit anderen Worten: Das Können wird an den Hochschulen auf intellektueller Ebene gelehrt, nicht aber die Umsetzung. Daraus leitet Herr Löbler seine Forderung ab: Die Lebenswelt muss zur zentralen Instanz der Lehre werden.

Oder frei nach Johann W. v.Goethe : „Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter Genies“.

 

Professor Dr. Michael Heise zu wirtschaflichen Aussichten und politischen Entwicklungen der EU aus globaler Sicht

Die Allianz SE ist weit mehr als nur Versicherer. In seinem Vortrag vom 03.11.2016 stellt Herr Prof. Heise die eher unbekannten Geschäftsfelder der Allianz, sowie deren Geschäftsumfeld samt Konkurrenten – kurz vor. Als weltumspannend agierendes Unternehmen beobachtet die Allianz die wirtschaftlichen Aussichten und politischen Entwicklungen in der EU aus globaler Sicht.

Die Emerging Markets seien wieder im Trend positiv, und der Euro-Raum ohne konjunkturellen Bruch durch den BREXIT Entscheid gekommen. In Deutschland sieht er 2% Wachstum voraus, das aber hauptsächlich durch Konsum, welcher durch die Ausgaben des Staates - speziell der Sozialsysteme, gespeist wird. Private und institutionelle Investoren müssten noch nachziehen. Insgesamt ist Professor Heise zuversichtlich, da Indikatoren wie der Arbeitsmarkt, Struktur Reformen in den EU Staaten, und auch die Zinsen im Euro-Raum dazu Anlass bieten würden. Die Geldpolitik sei überlagert von den Ölpreisen. Sollte sich der Ölpreis „normalisieren“ würde es auch das Zinsniveau tun.

Zum Sonderthema BREXIT hat zeigt Herr Heise auf, welche Schwierigkeiten auf Regierung und Verwaltung von England / UK zukommen - unzählige Verträge, die bisher von der EU im Namen von UK ausgehandelt wurden, müssen nun bilateral mit immensem Aufwand neu verhandelt werden. Die Möglichkeit, dass die britische Seite allein ein besseres Verhandlungsergebnis mit den Partnern erzielen wird als im Verbund mit der EU, zweifelt er an.

Dies würde dazu führen, dass die britische Erfahrung mit dem Exit keine positive sein wird, und daher mittel- bis langfristig nicht zur Nachahmung animieren. Die Lehre, die aus dem BREXIT gezogen werden könne sei, dass nicht auf Biegen und Brechen die EU-Erweiterung geschehen kann. Genauso müssten die EU Länder aufhören, die EU für nationale Fehler zum Sündenbock zu machen. Die EU müsse daran arbeiten, das Wohlstandsversprechen bei den Bürgern einzulösen. Dazu gehöre auch, das Subsidiaritätsprinzip zu stärken, und sich seitens der EU auf das Wesentliche zu beschränken. Dies sei in einer EU der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Ebenen der Integration möglich.

 

Dr. Bernd-Uwe Haase (MIBRAG) zur deutschen Energiepolitik

Dr. Haase stellte in seinem Vortrag am 01.12.2016 die MIBRAG mit 500 Mio. € Umsatz und 3.100 Beschäftigten im Jahr 2015 als Teil der EP Power Europe vor. Die MIBRAG ist mit 150 Azubis aktuell einer der größten Ausbildungsbetriebe in Mitteldeutschland.

 

Die Verschärfung der Emissionsgesetze, die Forderung des Einsatzes erneuerbarer Energien

und der Druck auf Abschaltung der Braunkohlekraftwerke geben den Kraftwerksbetreibern keine Planungssicherheit und werden der deutschen Wirtschaft daher insgesamt große Probleme bereiten.

 

Die Forderung nach übermäßig schneller Absenkung des CO2 - Ausstoßes hält Dr. Haase

für bedenklich. Durch die Abschaltung der Kernkraftwerke und teilweise Verlagerung auf Kohle und Gas ist dieser in Deutschland gestiegen. Dennoch übernimmt Deutschland unnötigerweise die Vorreiterrolle in der EU.

 

Die Forderung, die Elektromobilität bis 2035 weitestgehend auf erneuerbare Elektroenergie umzustellen, erscheint unmöglich. Zudem müsste die Stromproduktion nahezu verdreifacht

werden. Außerdem reichen die weltweiten Vorkommen an Lithium nach heutigem Stand nicht aus, um die erforderliche Anzahl an Batterien zu produzieren. Eine Verknappung der Ressource Lithium führe zu erhöhten Batteriepreisen.

 

Der politische Wille zum verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien und der Reduktion des CO2 – Ausstoßes gehen in die richtige Richtung. Jedoch sollten aus wirtschaftlichen Gründen Planungssicherheit für Energieproduzenten und Netzstabilität für Verbraucher sichergestellt werden.

 

Neues Mitglied: Herr Dr. Hubert Temmeyer

Der Wirtschafts-Club Leipzig e. V. freut sich sehr Herrn Dr. Hubert Temmeyer als persönliches Mitglied in seinen Reihen begrüßen zu dürfen.

Professor Juergen Maier zum Brexit

 

In seinem Vortrag vor Gästen und Mitgliedern des Wirtschafts-Club Leipzig verweist Professor Maier darauf, dass die Protagonisten des Brexits in der öffentlichen Diskussion die Möglichkeit sahen das eigene politische Profil zu schärfen und die EU zu weiteren Zugeständnissen zu bringen.  Nur 20% des Oberhauses und 30 % des Unterhauses wollten den Brexit. Juergen Maier sieht das Brexit-Votum der Bevölkerung als Ausdruck der Entfremdung des Bürgers von der Politik, der EU und der Wirtschaft. Dieser schleichende Prozess müsse zwingend umgekehrt werden. Aktuell seien 2.500 deutsche Unternehmen in UK und 3.000 britische Unternehmen in Deutschland tätig. Für Deutschland stelle der UK-Markt mit 89 Mrd. den drittgrößten Exportmarkt dar. Des Weiteren führt Herr Maier aus, dass sich eine Verlegung der Forschungsaufgaben von der UK in die EU abzeichne. Dublin sei dabei der größte Profiteur des Brexits, die Verknappung der Büroflächen in Dublin in den letzten Monaten sei hierfür eindeutiges Indiz. Viele Unternehmen verhielten sich augenblicklich aber noch abwartend.

Die Leipziger Volkszeitung berichtet über den Besuch von Herrn Christian Lindner im WCL

 

Lesen Sie hier den Artikel der Leipziger Volkszeitung von Sonnabend/Sonntag, 27./28. August 2016

Staatsminister Sebastian Gemkow über Herausforderungen der sächsischen Justiz

Herr Staatsminister Sebastian Gemkow sprach am 09. Juni 2016 zu Gästen und Mitgliedern des Wirtschafts-Club Leipzig über die Themen „Personalknappheit, Flüchtlingskrise und digitaler Wandel“ im besonderen Kontext von Justizvollzug, Richterschaft und Staatsanwaltschaft. Dazu schilderte Herr Gemkow die nicht nur in Sachsen, sondern in allen neuen Bundesländern spezielle Situation der Rentenwelle als  logische Folge der nach der Wiedervereinigung vollzogenen schlagartigen Um- und Neuschaffung und Besetzung von Stellen in der Verwaltung. Bei der Wiederbesetzung dieser großen Anzahl von freiwerdenden Positionen sieht sich gerade sein Ressort in Konkurrenz zu Wirtschaft und anderen Bundesländern. Neben den strukturellen Problemen sprach Staatsminister Gemkow beispielsweise auch die veränderte Ausgangslage bei der Resozialisierung von Strafgefangenen an, die durch nachhaltigen Drogenkonsum und insbesondere wegen des in den letzten Jahren veränderten Konsumverhaltens gesundheitlich nicht mehr integrierbar sind.